Alexis Nerguisian Gründer des Web-Anbieters Pneus-Online.fr
Auszug :
Actualité
Donnerstag, 7. September 2006
Der Reifen, ein Produkt von dem wohl die Wenigsten gedacht hätten, dass es sich über das Internet vertreiben lässt. Der Erfolg der Visionäre, die an ihre Idee geglaubt haben, und die anschließende Entwicklung ihres Unternehmens erregen nicht wenig Neid, weshalb im Jahr 2006 neue Anbieter wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Als Pionier der Branche hat www.pneus-online.fr währenddessen mit seiner Ausdehnung auf Europa in 2006 und 2007 den nächsten, wichtigen Schritt getan. Und anlässlich des Autosalons Mondial de l'Automobile plant das Unternehmen die Ankündigung einer weiteren Aufsehen erregenden Initiative um seinen Vorsprung zu wahren.
"Das Potential des Online-Vertriebs von Reifen bleibt beachtlich"
Wenn wir an die Gründung Ihrer Website im Jahr 2001 zurückdenken, so unkten damals zahlreiche Stimmen, dass der Reifen im Internet wohl nur schwer ins Rollen kommen würde, teils weil der Markt sehr umkämpft ist, vor allem aber weil nur wenige Autofahrer in der Lage sind, ihre Reifen selbst aufzuziehen...
Sicherlich, als ich mich im Jahr 2001 auf dieses Abenteuer eingelassen habe, gab es nicht wenige Skeptiker, die mit meinem Scheitern rechneten. Die Idee, Reifen über das Internet zu verkaufen, beruhte zunächst auf einer rein persönlichen Feststellung. Als Rennfahrer konnte ich am besten ermessen, welch hohen Prozentsatz von meinem Budget die Reifen ausmachten. Nachdem das Internet sich endgültig als zuverlässiges Mittel zur Vermarktung bewährt hatte, hielt ich es für möglich, auf diesem Wege Reifen zu günstigen Preisen zu bestellen. Meine Vermutung hat sich bestätigt, denn unsere Preise liegen tatsächlich 30%-50% unter den Marktpreisen.
Klar, das größte Hindernis für mein Projekt bestand ursprünglich in der Montage der Reifen. Aber es gibt für jedes Problem eine Lösung. Also habe ich meinen Pilgerstab genommen und mich daran gemacht, Werkstatthalter, Reparaturwerkstätten, davon zu überzeugen, Reifen zu montieren, die über unsere Website verkauft werden, indem ich ihnen sagte, dass das Internet heute eine vollendete Tatsache und der Fortschritt in diesem Bereich unausweichlich sei. Anstatt es als Konkurrenten zu betrachten (der es im Grunde ja ist) sei es besser, von diesem neuen Vertriebskanal zu profitieren und die Gewinne zu teilen. Ich möchte Ihnen nicht verhehlen, dass viele Händler uns die Tür vor der Nase zugeschlagen haben, aber wir sind hartnäckig geblieben. Irgendwann stößt man immer auf Gleichgesinnte. Fazit: wir verfügen heute in Frankreich über etwa 800 anerkannte Montage-Werkstätten, wo die Kunden ihre Reifen montieren lassen können. Besser noch: sie haben die Möglichkeit, ihre Reifen direkt an die Werkstatt ihrer Wahl liefern zu lassen. Wenn ihnen das Eintreffen der Ware mitgeteilt wird, brauchen sie nur noch ihr Fahrzeug dorthin zu bringen. Und wenn man sieht, um welche Werkstätten es sich handelt, kann man sagen, dass wir diese Schlacht gewonnen haben, denn auch wenn die Mehrzahl unter ihnen erwartungsgemäß Reparaturwerkstätten oder Tankstellen sind, die in der Montage ein Zubrot und eine Gruppe potenzieller, neuer Kunden sehen, denen sie andere Leistungen anbieten und verkaufen können, so sind doch eine Reihe etablierter Reifen-Montagewerkstätten oder Autozentren darunter, die ihren eigenen Reifenverkauf mit der Montage unserer Reifen kombinieren. Und wir freuen uns festzustellen, dass einfache Monteure, unsere Partnerbetriebe, die mit unserem Service und ihren Vorteilen daraus zufrieden sind, uns inzwischen gezielt weiterempfehlen. Sie sagen ihren Kunden: «Surfen Sie zu www.pneus-online.fr, dort bekommen Sie Ihre Reifen billiger und zwar völlig sicher und zuverlässig.» Das ist besser, als jede Werbung und jede Medienstrategie!
Seit 2005 und vor allem in diesem Jahr sind Sie über die Grenzen Frankreichs hinausgegangen. Wie weit ist Ihr Wachstumsprozess inzwischen gediehen?
Wir sind heute in Deutschland tätig, das sich zu unserem größten Markt außerhalb Frankreichs entwickelt hat; außerdem in Belgien, in der Schweiz, in Luxemburg, in Österreich, in Großbritannien und in Spanien. Noch in dieser Woche werden wir unsere Tätigkeit in Italien aufnehmen und, bis zum Ende dieses Jahres, in Portugal. Diese verschiedenen Märkte sollten Ende 2006 zusammen etwa 10-15% unseres Gesamtumsatzes ausmachen. Die Formel ist die gleiche, wie in Frankreich: wir schließen Verträge mit einem Netz von Montage-Werkstätten ab, welche die Bestellung u.a. direkt vom Kunden entgegen nehmen können. Unser Wachstum ist auch mit einer Erweiterung unseres Sortiments um neue Reifen oder andere Produkte verbunden. Bereits heute führen wir alle großen Marken: Michelin, Pirelli, Goodyear, Dunlop, Bridgestone... So haben wir neben unserem Angebot für PKW, Allrad-Fahrzeuge und Transporter in diesem Jahr ein Motorrad-Programm eingeführt. Da viele Kunden Wert darauf legen, ihr Fahrzeug und auch ihre Reifen zu pflegen, und bei uns nach Pflegemitteln fragten, haben wir ferner auch zwei Serien aus diesem Bereich in unser Angebot aufgenommen. Zwar entsteht uns dadurch nur ein sehr geringes Umsatzplus, aber es dient der Kundenbindung.
Wie sah Ihr Geschäftsabschluss für 2005 aus und mit welchem Ergebnis rechnen Sie in diesem Jahr? Der Reifenmarkt ist sehr hart umkämpft und viele Wettbewerber versuchen aufzuholen. Wie beabsichtigen Sie Ihren Marktanteil zu schützen?
Im Jahr 2005 haben wir 60.000 Reifen verkauft und dabei einen Umsatz von 4,5 Millionen Euro erzielt. In diesem Jahr sollte die 100.000-Marke erreicht werden, was einem Umsatz von 7,8 Millionen entspricht. Dies bei einem Team von 11 Beschäftigten. Ich bin stolz auf dieses Ergebnis. Ich weiß, dass wir auf Grund unserer Erfahrung und vor allem unseres Bekanntheitsgrads, unseres Namens, anderen voraus sind. Aber das Reifengeschäft ist in der Tat sehr hart umkämpft. Unser Erfolg hat eine Reihe von Initiativen ausgelöst, vor allem auf Seiten der «traditionellen» Anbieter, der Spezialisten, die schon vor uns in diesem Sektor tätig waren. Um unsere Position zu halten, setzen wir auf die geografische Ausdehnung. Im Jahr 2007 werden wir diese fortsetzen und sogar neue Kontinente in Angriff nehmen. Bis Ende 2006 planen wir, allen kleinen und mittleren Reparatur-Werkstätten ein Angebot zu machen, denn unser Sortiment und unsere Geschäftsformel entsprechen voll und ganz ihren Bedürfnissen. Und nicht zuletzt werden wir etwa zum Zeitpunkt des Autosalons «Mondial de l'Automobile» einen großen «Coup» ankündigen, der unseren Vorsprung bestätigen und unsere Kunden ganz sicher ansprechen wird.
Im Übrigen ist der Markt zwar umkämpft, stößt aber noch lange nicht an seine Grenzen. Einige der größten Akteure, die Reifen über das Internet vertreiben, planen mit Hilfe privater Kapitalanleger ihren Börsengang, während wir uns frei finanzieren. Das beweist, dass es noch ein enormes Potenzial gibt, der eigentliche Kampf aber jetzt beginnt. Wir sind bescheiden, aber wir haben unseren Konkurrenten den Einstieg schwerer gemacht. Und wenn es uns gelingt, unsere Entwicklung weiterhin so zu beherrschen wie bisher, dürfen wir sicherlich hoffen, einer der großen Akteure bei diesem Spiel zu bleiben.
Auszug : L'Argus - Das Gespräch führte Joseph GICQUEL - September 2006



